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Ralf Zacherl - Pralinen aus dem Nichts und Hausfrauenliebling

Das hört sich gut an und erklärt auch einiges ganz plausibel:
Ralf Zacherl, Sohn einer Gastronomenfamilie, hat den Kochberuf gelernt,
weil es eben ziemlich naheliegend ist. Den Gastronomensohn
tauft er selbst schon einmal um in Kneipenkind und erzählt
von der Kneipe, den Eltern, frühen Leidenschaften und der Schulzeit.
Ins Gymnasium wollte er trotz bester Zeugnisse nicht, weil die ganzen Freunde
zur Realschule gingen. Dort schwappte der vorherig gute Notenspiegel erst
einmal eine gehörige Portion in Richtung Ebbe.- Und jetzt sind wir
auch schon mitten drin in einem scheinbar stinknormalem
Leben, wo sich irgendwo jeder von uns wieder findet. Zum Realschulabschluß
hin hatte er die Sache mit den Noten wieder ins rechte Lot gebracht und
der Wunsch der Eltern, einen Kaufmann in der Familie zu haben vorzugsweise
ausstaffiert mit Fachabi- klang zwingend als Bedrohung und so war es zunächst
eine Trotzreaktion, als Ralf Zacherl in einem Wertheimer Hotel die Kochlehre
begann. Kochen ist eigentlich was Simples und du
mußt halt das entsprechende Gefühl für die Verarbeitung
von Lebensmitteln inne haben. Kurz gesagt: Die Liebe am Kochen,
Kreieren, Ausprobieren das muß ganz einfach da sein, sonst
klappt es eh nicht. Besondere Neigungen/Vorlieben/etwas Prägnantes
zu seiner Kochphilosophie? Aus Scheiße kann ich Pralinen
machen, soll heißen: aus wenigen und/oder einfachen Zutaten
fabriziert er köstlich-Leckeres, frappierend-Überraschendes.
Jenes Graue Haus übringens war das älteste
noch erhaltene Steingebäude Deutschlands und Witwensitz
derer von Greiffenclau. Erwein Graf Matuschka-Greiffenclau, zu Lebzeiten
eine schillernde und optisch imposante Persönlichkeit vermittelte Ralf
die Bedeutung der Harmonie von Speisen und Wein. 1995 ging die kulinarische
Wanderreise dann zu Harald Wohlfahrt, in die Schwarzwaldstube- Traube Tonbach
und 1997 schließlich zurück in das Graue Haus,
wo ihm, wie schon erwähnt, im ersten Küchenchefjahr der Michelin
Stern verliehen wurde. Das tragische Ableben des Herrn Grafen beendete damit
diese erfolgreiche Station und ein Jahr später fand man ihn dort wieder,
wo man einen jungen Sternekoch sicher am allerwenigsten sucht: Im Robinson
Club Athenee Palace auf Djerba. Otto Koch hatte ihn zu dieser neuen Herausforderung
überredet und bereits nach kurzer Zeit war ihm klar, daß diese
Stelle keine Einrichtung für die Dauer sein könnte. Motivierende
Freunde vor Ort ließen ihn aber nahezu ein Jahr dort und natürlich
auch die neu entdeckte Freude, sich besonderen Herausforderungen zu stellen
und das Positive darin als Antrieb zu begreifen. Das Angebot, kulinarische
Großdimensionen als Küchenchef erstklassig zu realisieren, brachten
ihn dann 1999 nach Deutschland zurück; genauer gesagt in die Hauptstadt
Berlin.
Auch größte Gastronomen verzetteln sich zuweilen in großen
Dimensionen und so stand der sympathische Küchenkünstler schneller
als erwartet vor geschlossenen Arbeitgebertüren. Vom März 2001
bis Dezember 2003 war Ralf Küchenchef in der Weinbar Rutz. Nicht jeder
Sternekoch kann sich an ein alltagstaugliches Konzept herankochen und damit
in kürzester Zeit noch Lorbeeren ernten. Ralf Zacherl aber kann das.
Nie einfach nur experimentell, sondern mit einer gehörigen
Portion Raffinesse kreiert er seine Gerichte, die aus einer räumlich
kleinen Küche kamen. Ralf ist ein absoluter Situationsmensch und weiß,
was er kann. Vorsichtig allerdings war er in Sachen Fernsehen. Ich
und ins Fernsehen? Dafür bin ich völlig ungeeignet.
Nachdem er nach acht Castings die Fernsehgeschichte schon abgeschrieben
hatte, kam im Dezember 2002 die Zusage. Ralf kann ganz vielen Menschen seine
ureigene Freude am Kochen vermitteln. Ganz schön aufgeregt war er,
als er bei der Pressekonferenz des Senders im Januar 2003 auf die Bühne
musste. Voller Stolz schaute ich zu. Und obwohl man mit Menschen wie Ralf
Zacherl am besten grundehrlich umgeht, behielt ich einen Gedanken damals
für mich: Ins Fernsehen zu kommen ist viel leichter, als darin zu bleiben.
Sei´s drum. Motivation ist das halbe Leben. Sich nicht zu verbiegen
und einen Weg zu gehen, an den man selber glaubt, sind wichtige Faktoren
für den Erfolg.
Nicht zuletzt gibt es so etwas wie ein Versprechen: Wir halten zusammen.
In guten und in schlechten Zeiten.
Manuela Ferling |
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